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Artillerie-Werkgruppe BOUDA

Nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler im Jahr 1933 verschlechterten sich die bis dahin durchaus guten Beziehungen zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei (CSR) zunehmend. Die Revision der Ergebnisse des Versailler-Vertrags in Europa zeichnete sich deutlich ab. Es ist daran zu erinnern, dass die damalige CSR trotz vieler nicht  gelöster Probleme eines Vielvölkerstaates der letzte demokratische Staat in Mitteleuropa war und bis auf Österreich und das verbündete Rumänien gemeinsame Grenzen mit Staaten mit autoritären Regierungsformen hatte. Die deutsch-tschechoslowakische Grenze war 1 545 km lang, nach Anschluss von Österreich an Deutschland 1938 wuchs diese Länge sogar auf 2103 km! Außer Hitlers Deutschland war damals auch Ungarn als ein potentieller Gegner (gemeinsame Grenze war 832 km lang) zu betrachten und auch die Grenze zu Polen (insgesamt 948 km) galt als unsicher.

Nach einer Machbarkeitsstudie zur Verteidigungsfähigkeit und Analyse aller Ressourcen und denkbaren Alternativen wurde u.a. aufgrund der Empfehlung des verbündeten Frankreichs beschlossen, ein gigantisches Befestigungssystem an der deutschen Grenze und im Landesinneren auszubauen. Gleichzeitig wurde entschieden alle Streitkräfte der Tschechoslowakei entsprechend zu modernisieren. Das notwendige Fachwissen für das beschlossene Befestigungsprojekt konnten französische Militärfachleute mit Erfahrungen aus dem Ausbau der eigenen Maginot-Linie bringen. Die Befestigungen sollten die wichtigsten Wirtschafts- und Verwaltungszentren schützen sowie eine ungestörte Mobilmachung und den Aufmarsch der tschechoslowakischen Streitkräfte in die Verteidigungspositionen ermöglichen. Aufgrund de extremen Grenzlänge und der strategisch ungünstigen Form der Tschechoslowakei konnte keine durchgehende Linie schwerer Befestigungen finanziert werden.

Als das am häufigsten anzutreffende Element des Befestigungssystems waren leichte Anlagen (Maschinengewehr-Schartenstände) der Baureihe 36 und insbesondere die leichten Anlagen der Baureihe 37 als Nachfolgemuster vorgesehen, deren Anzahl mit dem Abschluss der Befestigungsarbeiten Anfang der 50er Jahre (!) auf ca. 16 000 Stück anwachsen sollte. Nur an den strategisch wichtigsten Stellen wurden schwere Befestigungen vorgesehen, die in Form extrem widerstandsfähiger Werke (geplante Anzahl dieser Großbunker war ca. 1 300 Stück) realisiert werden sollten. Die leichten Befestigungsanlagen waren für die Erschwerung des feindlichen Vormarsches und zur Erleichterung der Verteidigung mobiler Streitkräfte bei Verzögerungsgefechten vorgesehen. Die Bauausführung der leichten Anlagen ist einfach, zumal bei ihrer Konzeption keine logistischen Einrichtungen für eine längere Kampfhandlung eingeplant wurden.

Im Gegensatz zu der leichten Konzeption sollten die schweren Befestigungsanlagen den feindlichen Vormarsch für eine längere Zeit zum Stillstand bringen. Man hatte mit einer Dauerbesetzung der schweren Anlagen gerechnet. Eine anspruchsvolle technische Ausstattung und umfangreiche logistische Einrichtungen sollten einen längeren Widerstand von einige Wochen ermöglichen.

Bis zur Sudetenkrise im September 1938 konnten fast 10 000 leichte und 229 schwere Anlagen komplettiert werden. Es wurden fünf massive Artillerie-Werkgruppen baulich fertiggestellt, an weiteren fünf Werkgruppen liefen die Bauarbeiten bereits, während weitere fünf Werkgruppen sich noch in einem Planungsstadium befanden. Insgesamt rechnete man mit 15 Werkgruppen, die die schwere Befestigungslinie zwischen den Städten Mährisch Ostrau (Ostrava) im Osten und Trautenau (Trutnov) am Rand des Riesengebirges im Westen verstärkten sollten.

Die Arbeiten auf dem tschechoslowakischen Befestigungssystem wurden aufgrund der neuen politischen Konstellation in Mitteleuropa vorzeitig im Oktober 1938 abgebrochen. Die seit längerer Zeit anschwellende und durch Hitler gezielt unterstützte Sudetenkrise führte im September, nicht zuletzt durch die massive politische Unterstützung anlässlich des Parteitages der NSDAP in Nürnberg, zu einer Eskalation der politischen Spannungen und zu einem offenen Aufstand im westlichen und nördlichen Grenzgebiet, dem Sudetenland. Am 23. September 1938 wurde eine allgemeine Mobilmachung der tschechoslowakischen Streitkräfte angeordnet. Nach genau zwanzig Friedensjahren stand Europa wieder einmal am Anfang eines neuen Krieges. Am 29. September wurde in München eine Vierer-Konferenz eröffnet, bei welcher Adolf Hitler, Edouard Daladier, Neville Chamberlain und Benito Mussolini die ethnische Trennung der tschechischen und deutschen Völker und die künftige Grenzen des Staates in Abwesenheit seiner Vertreter festlegten. Diese Tatsache dokumentiert auf drastische Weise die politische Abwertung des tschechoslowakischen Verbündeten durch die beiden Garanten seiner Unabhängigkeit, Großbritannien und Frankreich. Die Entscheidung lautete: Innerhalb von 10 Tagen, bis zum 10. Oktober 1938 sind die mehrheitlich deutschsprachigen Grenzgebiete an das benachbarte Deutschland abzutreten. Durch die Abtretung von fast 20 000 Quadratkilometern an Deutschland und weiteren 12 000 Quadratkilometern an Ungarn und Polen hat die damalige Tschechoslowakei nicht nur viel Wirtschaftspotential, sondern auch fast alle Anlagen der Grenzbefestigung bis zum Ende des Krieges im Jahre 1945 verloren.

Die Artillerie-Werkgruppe Baudenkoppe ist eine von den fünf bautechnisch fertiggestellten Werkgruppen und als einzige in ihrer ursprünglichen Gestalt der Öffentlichkeit zugänglich. Sie besteht aus fünf Einzelwerken, die in der höchsten Ausbaustärke "IV" gebaut sind. Die Decken und die dem Feind zugewandten Frontwände sind 3,5 Meter dick und sollten Beschuss mit Artilleriegranaten Kaliber 42 cm sowie Volltreffer mit allen damaligen Fliegerbomben aushalten. Diese Werke sind unterirdisch durch ein System von Hohlgängen und Säalen verbunden. Dort befand sich damals alles, was die Besatzung von 316 besonders ausgewählten und ausgebildeten Soldaten der Grenztruppen zur Erfüllung ihres Kampfauftrags benötigten. Darüber hinaus sollte es in der Werkgruppe eine Verstärkung in Größe einer halben Infanterie-Kompanie (87 Mann) geben, die bei besonderen feindlichen Aktivitäten (z.B. Angriffe von Fallschirmjägern oder Sturmpionieren) auf der Festungsoberfläche die Verteidiger entlasten sollte. Insgesamt sollte eine kriegsmäßige Besatzung eine Stärke von ca. 400 Mann haben. Man rechnete mit einem möglichen Widerstand einer vom Feind voll eingeschlossenen Festung über einen Zeitraum einiger Wochen.

Der Ausbau der Werkgruppe wurde am 1. Oktober 1936 angefangen und wurde mit der Hilfe von bis zu 800 Arbeitern eines Bauunternehmens aus Prag in der unglaublich kurzen Zeit von weniger als 24 Monaten abgeschlossen. Die Material- und Lohnkosten beliefen sich auf 28,5 Millionen Kronen, hierbei wurden die zusätzlichen Kosten für die Innenausstattung und Ausrüstung nicht berücksichtigt. Während des Höhepunktes der Sudetenkrise im September 1938 liefen in der Werkgruppe noch fieberhaft Komplettierungsarbeiten, wobei einige wichtige Teile der Innenausstattung und Bewaffnung (Geschützturm mit den beiden Haubitzen 10 cm) noch fehlten. Die Infanteriewerke waren allerdings voll bewaffnet und die vorläufige Besatzung von 119 Mann vom Batalion V des Grenzregiments 19 unter Major der Infanterie Jan Spale war auf eine Auseinandersetzung mit dem Angreifer vorbereitet.

Unsere Besichtigung fängt im Eingangswerk K – S 22a an. Es wurde auf der dem Feind abgewandten Seite der Bergkuppe platziert und war für die Versorgung der Werkgruppe und als Mannschaftseingang vorgesehen. Der Lage des Eingangswerks entspricht auch seine Bewaffnung. Es wurde nicht angenommen, dass sich dieser Teil der Anlage an dem Kampfauftrag der Werkgruppe direkt beteiligen würde. Aus diesem Grund dienten die Waffen des Eingangswerkes seiner unmittelbaren Verteidigung. Der rechte Kampfraum war mit einem schweren Maschinengewehr Modell 37 ausgerüstet, der linke Kampfraum besaß ein leichtes Maschinengewehr Modell 26. In der Decke waren zwei Panzerglocken  aus einem speziellen Stahlguß (Wanddicke 30 cm, Eigengewicht 52 Tonnen) installiert. Sie besaßen 4 Scharten für ein leichtes Maschinengewehr, das in jeder Glocke für die Rundumverteidigung sorgen sollte. Das vierte leichte Maschinengewehr war im Knick der Einfahrt platziert und sollte beim Ausfall des beweglichen Panzertores der Anlage den Zugang ins Werksinnere verhindern. Seine Bedienung konnte aus dem Untergeschoss durch ein Mannloch mit Steigbügeln und einer Leiter die Scharte schnell erreichen.

Während der Kriegszeit wurde das Eingangswerk stark beschädigt. Seine Panzerglocken wurden herausgerissen und mit der Mehrzahl ähnlicher Baukomponenten für die Befestigungsprojekte des Deutschen Reiches übernommen. Noch heute kann man Panzerelemente (Glocken und Scharten) und Hindernisse tschechischer Herstellung an den Befestigungen in den ehemaligen ostdeutschen Gebieten und hauptsächlich am Atlantischen Wall in der Normandie, in der Bretagne, in Dänemark und Norwegen finden. Eine gute Vorstellung über die Konstruktion einer Panzerglocke bekommt man mit Hilfe eines am Eingangswerk stehenden Unikates, eine Panzerglocke für ein selbstständiges Infanteriewerk der leichteren Ausbaustärke "II". Deswegen hat diese schwächere Glocke eine Wanddicke von "nur" 20 cm und ein Gewicht von lediglich 21 Tonnen.

In den Jahren 1949 und 1950 hat man das Eingangswerk saniert, zumal in den 50er Jahren mit der Errichtung eines großen Militärlagers in der Werkgruppe gerechnet wurde. Die beschädigten Teile wurden fachmännisch abgesprengt (die Bohrungen für die Sprengsätze sind gut erkennbar), um dann nach den alten Plänen wieder erbaut zu werden. Aus diesem Grund sind noch heute eine Trennfuge zwischen dem alten und neuen Beton, sowie einige Reste aus dieser Sanierungsphase (nicht fertiggestellter Putz, Verschalungsreste) gut sichtbar.

Die eigentliche Einfahrt sollte mit einem massiven Gitter-Falttor und zwei dickwandigen Stahltoren verschlossen werden. Der erste Verschluss war als ein in den Unterbodenraum einfahrbares Falltor (Wanddicke 7 cm, 5 cm davon eine hochfeste Panzerplatte) konzipiert. Dieses cca 7,5 Tonnen schwere Tor konnte mit Hilfe eines noch schwereren Gegengewichtes innerhalb von 15 Sekunden geschlossen werden. Um die Ecke befand sich ein weiteres Panzertor, diesmal nur 4 cm dick, dessen horizontale Schiebeflügel mit einem Eigengewicht von 4,6 Tonnen innerhalb von 30 Sekunden geschlossen werden konnten.  Beide Tore waren gasdicht und der dadurch gebildete Zwischenraum (in der Fachterminologie SAS-Raum genannt) war im Falle eines Gasangriffs für die Dekontaminierung verseuchter Lastkraftwagen vorgesehen. Hinter dem zweiten Tor befindet sich eine Umschlagstelle, an der Transportgüter von den Lastkraftwagen auf die Wagen der Schmalspurbahn umgeladen werden konnten.

Rechts von der Lkw-Einfahrt befindet sich ein Fußgänger-Eingang mit einer Scharte für Gewehr oder Pistole. In diesem Eingang befindet sich das Luftansaugrohr für das Belüftungssystem der gesamten Werkgruppe. Das Eingangswerk beinhaltet weiterhin zwei Kampfräume, einen eigenen kleinen Filterraum, drei Munitionslager, zwei Unterkunftsräume, zwei Funkräume, einen Gefechtsstand des Kommandeurs des Eingangswerkes, WC und Waschraum, ein Vorratslager, sowie ein Geräte- und Werkzeuglager. 

Im Eingangswerk fehlen an der Umschlagstelle zwei massive Stahlbetonpfeiler, die vermutlich während des Krieges abgesprengt wurden. Die Hohlgänge erreicht man über eine abschüssige Rampe mit 26 Stufen. In den einzelnen Stufen gibt es Ausnehmungen für die Schienen und Zugseile der Schmalspurbahn. Für die Verladearbeiten an der Rampe waren keilförmige Spezialwagen konstruiert. Einer der beiden ursprünglich vorhandenen Wagen kann auf der linken Seite des Hohlgangs auf dem erneuerten Gleis besichtigt werden. Diese Spezialwagen wurden nur als eine Handhabungshilfe zum Transport der eigentlichen Wagen der Schmalspurbahn in dem Hohlgang benutzt, damit man die Ladegüter nicht zweimal umladen musste.

Am Anfang des Haupthohlgangs sieht man rechts den Zugang zu dem fast 70 Meter langen Entwässerungsstollen, durch den aus der Werkgruppe Abwasser in das Tal unterhalb des Eingangswerkes abgeführt wird. Die dort feststellbaren Beschädigungen des Gewölbes und der Wände sind auf ein nicht abgeschlossenes Bauvorhaben aus der Nachkriegszeit zurückzuführen. An dieser Stelle fällt auf, dass die Gleise der Schmalspurbahn einen scheinbar unlogischen Verlauf aufweisen. Der Grund dafür ist in einer besonderen bautechnischen Maßnahme an dieser Hohlgangstelle zu finden: In diesem Bereich befinden sich Eingänge in die beidseitig des Haupthohlgangs befindlichen Minenkammern, die über 10 Meter lange und parallel zu dem Haupthohlgang geführte schmale Gänge zu erreichen sind. Vor diesen Eingängen sollte sich eine Trennwand mit einer Maschinengewehr-Scharte und einer 3 cm dicken Panzertür befinden. Im Falle der aus taktischen Gründen notwendigen Aufgabe des Eingangswerkes, hatte seine Mannschaft die Möglichkeit des Rückzugs hinter diese Trennwand. Falls auch dieser Posten nicht mehr zu halten gewesen wäre, hätte man durch die Zündung der beiden Minenkammern den Hohlgang zuverlässig verschütten und für den Angreifer unpassierbar machen können. Alle lebenswichtigen Einrichtungen der Werkgruppe befanden sich ohnehin erst hinter dieser Stelle im Festungsinneren; allerdings hätte man auf die Hauptfilteranlage und die Dieselaggregate wegen einer unterbrochenen Abgasleitung verzichten müssen. Dies bedeutete ein Umschalten aller Einrichtungen und Systeme auf den Not- und Handbetrieb. Der Besatzung standen für diesen Fall drei Notausgänge zur Verfügung. 
 
Nur ein paar Meter weiter findet man den Schiebeverschluss Nr. 1. Es handelt sich um eine während des Krieges durchgeführte Modifizierung, als die Fachleute der deutschen Wehrmacht diverse Torsysteme für die damals in Entwicklung befindlichen Schutzräume und Befestigungsanlagen einschließlich Abschussrampen und -einrichtungen für die noch streng geheimen sogenannten Vergeltungswaffen (Flugkörper, Raketen und Ferngeschütze) V1, V2 und V3. Den Schiebeverschluss bildete ein massiver Stahlbetonblock, 1 Meter dick mit einem Eigengewicht von 20 Tonnen. Durch diese Baumaßnahme wurde der Eingang in den neben dem Maschinenraum befindlichen Haupt-Filterraum verbaut. Gemeinsam mit der Teilsanierung der Werkgruppe in den 50er Jahren wurde dadurch die ursprüngliche Auslegung der Hohlräume etwas geändert. Der Filterraum ist nicht öffentlich zugänglich, weil der Fußboden noch nicht fertiggestellt ist. Hier sollten Filterbatterien platziert werden, die nach der Auslösung eines Gas-Alarms die im Mannschaftseingang angesaugte Luft reinigen konnten. In der ganzen Werkgruppe sollte ein konstanter, geringer Überdruck erzeugt werden, so dass keine kampfgashaltige Außenluft in die Innenräume gelangen konnte. Diese Lüftungstechnik ermöglichte eine differenzierte Luftversorgung der Kampfblöcke und Hohlgänge, die in manchen Räumen (Kaserne) auch mit Warmluft beheizt werden konnten. Hinter dem Filterraum befindet sich der Schiebeverschluss Nr.2, der bis auf die spiegelsymmetrische Position im Hohlgang und ein unterschiedliches Fahrgestell dem Verschluss Nr. 1 entspricht. Durch seinen Einbau wurde der ursprüngliche Zugang in den Maschinenraum unterbrochen.

Auf der rechten Seite des Haupthohlgangs sehen wir einen 25 Meter langen Saal. Hier waren das Kühlwasser sowie Kraft- und Schmierstoffe gelagert. Der Saal ist durch zwei kleine Querverbindungen mit einem ähnlichen, 30 Meter langen, Maschinenraum verbunden. In diesem als Kraftwerk konzipierten Raum sollten 3 Dieselaggregate mit je 80 kVA für eine unabhängige Stromversorgung der, sonst an eine externe Elektrizitätsversorgung angeschlossenen, Werkgruppe sorgen. Im Maschinenraum befanden sich weiterhin zwei Kompressoren (die langsam laufenden Dieselmotoren mussten mit einer Druckluft von 60 atü angelassen werden) und eine Werkstatt. Unterhalb des Maschinenraums war eine als Schalldämpfer ausgelegte Kammer platziert. Der Abgaskanal sollte durch die Hohlgänge führen und am Eingangswerk münden. Für die Notbeleuchtung standen eine weitere Anlage mit 8 kVA und Petroleumlampen zur Verfügung. Dieser Bereich sollte erst im Laufe des Jahres 1939 ausgestattet werden, so dass die Besatzung der Werkgruppe als Notbeleuchtung Petroleumlampen und Elektrizitätsversorgung der Baustelle benutzen mussten. Das Deckgebirge ist an dieser Stelle mehr als 30 Meter dick.

Im Rahmen der Rekonstruktion der Werkgruppe haben wir den Maschinenraum im ursprünglichen Kraftstofflager errichtet, da der Originalraum wegen Baumaßnahmen aus der Kriegszeit schlecht zugänglich ist.

66 Meter von der Rampe entfernt geht der Haupthohlgang in einen umfangreichen Umschlagbahnhof über, der vor dem Munitions-Hauptlager M 1 angeordnet ist. Der 40 Meter lange Saal war als Lager für 6 000 Artilleriegranaten Kaliber 10 cm vorgesehen. In seiner Hinterwand befindet sich eine Nische mit einer Trinkwasserquelle. Der Saal sollte durch zwei gemauerte Trennwände und eine 1 cm dicke Stahltür abgeschlossen werden. Das Quellwasser wird unterhalb des Bodens in die, im Boden eingelassene, Hauptzisterne auf der anderen Hohlgangseite geführt, wo Sockel für eine Montage von drei Wasserpumpen bereitstehen. Von dieser Zentrale aus wurde die Wasserversorgung der ganzen Werkgruppe gewährleistet. Unterhalb des Fußbodens befindet sich der Haupt-Wasserbehälter, in dem die gesamte Wassermenge bevorratet war. Eine der Pumpen war für das Festungs-Brandschutzsystem vorgesehen, weil alle explosionsgefährdeten Räume mit Sprinkleranlagen ausgestattet werden sollten. Es handelte sich um folgenden Räume: Vorbereitungsraum für die Artilleriemunition – erster Raum im Lager M 1 rechts, Vorbereitungsraum für die Infanteriemunition - dritter Raum auf der selben Seite, sowie das Handgranatenlager - vierter Raum. Die Sprinkleranlage war auch für den zweiten Saal auf der linken Seite des Umschlagplatzes vorgesehen, wo die Maschinengewehr-Munition gelagert war. Der letzte Raum des Lagers war das Lager für Leuchtkugeln. Wegen der Empfindlichkeit und Gefährlichkeit dieser Signalmunition wurden hier besondere bautechnische Maßnahmen vorgesehen wie ein zweimal gebrochener Eingang, eine 1 cm dicke Drucktür aus Stahl und selbstverständlich eine Sprinkleranlage.

Während der Mobilmachung im September 1938 war in der Festung schon ein Teil des vorgeschriebenen Munitionsvorrats vorhanden. In der ganzen Werkgruppe befanden sich damals mehr als eine Million Schuss der Maschinengewehrmunition Kaliber 7,92 mm.

Die Werkgruppe wurde, wie bereits erwähnt, in den Jahren 1949 und 1950 teilweise saniert. Außer den Reparaturarbeiten am Eingangswerk und in den im Vorderteil der Hohlgänge befindlichen Räumen fing man an, neue Säle als Lagerräume in den Fels zu schlagen. Mit insgesamt 11 Sälen sollte die Werkgruppe zu einem riesigen unterirdischen Lager werden. Die Arbeiten an den ersten beiden Stollen wurden zwar angefangen, jedoch nie abgeschlossen. Die angefangenen, in das Felsmassiv geschlagenen Stollen befinden sich links und rechts von dem Haupthohlgang. Diese unterirdischen Baustellen werden im Winter zum Schlafraum für einige Dutzend Fledermäuse verschiedener Gattungen, die dort gerne überwintern. 

Gegenüber dem zweiten, nicht fertigen Stollen (Länge ca. 30 Meter) befindet sich ein kleiner Raum, die sogenannte untere Kabelkammer. Am Boden sieht man ein Stahlauge und in der Decke die Mündung eines Stahlrohres. Dieses Rohr führt mehr als 45 m durch das Deckgebirge senkrecht nach oben und mündet in ein besonderes Festungsbauwerk. In die sogenannte obere Kabelkammer, in deren Decke auch ein Stahlauge montiert ist. Zwischen diesen beiden Augen war ein Stahlseil gespannt, das als Träger für die Telefonkabel diente. Aus den oberen Kabelkammern wurden die Kabelverbindungen ca. drei Meter tief unterirdisch weiter geführt. Die zweite Kabelkammer befindet sich einige Meter weiter auf der rechten Seite. An dieser Stelle ist das Deckgebirge fast 50 Meter dick. Die dritte Kabelleitung führte aus dem Ort Techonin (dort befindet sich noch heute die alte Friedenskaserne der Festungsbesatzung) direkt in das Eingangswerk. Diese mehrfach geführten Telefonleitungen sollten eine sichere und zuverlässige Verbindung der Werkgruppe mit den anderen Militäreinheiten auch während starker Kämpfe und Zerstörungen durch Artilleriegranaten und Fliegerbomben sichern.

Kleine Nischen, die sich in regelmäßigen Abständen auf der linken Seite des Hohlgangs befinden, dienten der Mannschaft als Ausweichmöglichkeit beim Passieren der Schmalspurbahn. Die rechts unter der Decke angebrachten Konsolen dienten als Halterungen für die Stromversorgungsleitungen, Telefonkabel, Wasserrohrleitungen und in einigen Abschnitten auch für die Rohrleitungen des Lüftungssystems.

225 Meter hinter dem Munitionslager M 1 stehen wir an einer Verzweigung der Hohlgänge. An dieser Stelle ist das Deckgebirge fast 60 Meter dick, da wir uns direkt unter dem Gipfel des Berges Baudenkoppe befinden. Sowohl nach vorne, d.h. in Richtung der Werke K – S 22, 21 und 23 als auch nach hinten zum Eingangswerk K – S 22a fällt das Deckgebirge ab. Am Ende dieses 180 Meter langen Hohlganges befindet sich der Zugang in den Aufzugsschacht und das Treppenhaus des Infanteriewerks K – S 24. Eine kleine Umladestelle war hier für das Umladen der Maschinengewehrmunition für dieses Werk, von der Schmalspurbahn auf kleine Wägelchen mit Gummirädern, vorgesehen. Der links abbiegende Hohlgang führt zu den Eingängen in die Kaserne und in den Sanitätsraum.

Der Sanitätsraum befindet sich im hinteren Teil des ersten Kasernensaals. Hier sollte es einen kleinen Raum für giftgasverseuchte Kleidung, sowie Toiletten, eine Dusche, einen Krankenraum mit drei Doppelbetten, einen Verbandsplatz und eine Apotheke geben. Die einzelnen Räume kann man nur anhand der Spuren an der Decke oder am Boden identifizieren. Die Trennwände wurden in den 50er und 60er Jahren durch die Bevölkerung der benachbarten Dörfer ausgebaut, da die damals außerordentliche Qualität des Baumaterials verlockend wirkte.

Das Infanteriewerk K – S 24 ist auch öffentlich zugänglich. Sein Treppenschacht ist 31 Meter hoch und hat 167 Stufen. Es ist der höchste Schacht der ganzen Werkgruppe. In der Mitte des Schachts war ein Lastenaufzug mit einer Tragfähigkeit von 400 kg vorgesehen. Das Infanteriewerk K – S 24 (Besatzung 26 Mann) war stark bewaffnet. Als Hauptwaffen waren zwei schwere Maschinengewehr-Zwillinge in den Scharten unter Beton montiert  im Kampfraum mit Bezeichnung und zwei leichte Maschinengewehre Modell 26 in Hilfsscharten. Ein weiteres Zwillings-Maschinengewehr war in einer Panzerkuppel und in zwei Panzerglocken war je ein leichtes Maschinengewehr montiert. Auf Grund des für Panzereinheiten unpassierbaren Geländes waren in den Infanteriewerken keine sonst üblichen Panzerabwehrwaffen vorgesehen. Das Werk besitzt einen regulären Eingang, was bei einer Werkgruppenanlage eine Seltenheit darstellt. Der Eingang konnte von den Wachposten und Streifen benutzt werden. Im Werk befinden sich zwei Munitionslager, ein Filterraum, zwei Unterkunftsräume, ein Vorratslager, der Gefechtsstand, eine Telefonverbindung und ein Waschraum mit WC.

Während der Krieges versuchte die deutsche Wehrmacht mit einer an einer Außenwand angelegten massiven Ladung das Werk zu sprengen. Trotz der enormen Explosion wurde das Werk nicht zerstört, lediglich um ca. 50 cm verschoben (!). Dies führte zu einer starken Beschädigung des Treppenlaufes, so dass dessen Benutzung erst nach einer entsprechenden Sanierung ermöglicht wurde.

Der erste Kasernensaal ist im hinteren Bereich durch eine Ziegelmauer von der Sanitätsstation getrennt. Im mittleren Abschnitt befanden sich Waschräume mit Duschen und 10 Toiletten-Kabinen. Im vorderen Teil waren Lagerräume (Tagesration der Lebensmittel, Kohle, Kleidung), die Küche und auf der anderen Hohlgangseite der Kesselraum. Im Kasernenbereich gab es drei Rohrleitungen für die Klimatechnik, und zwar die getrennten Systeme der Belüftung und Warmluftheizung sowie der Abluftabzug. In weiteren drei Sälen befanden sich die Unterkunftsräume für die Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere sowie die der Bereitschaftsmannschaft. Die Anzahl der Betten war kleiner als der Sollstand der Besatzung. Ein Teil der Besatzung war in den Unterkunftsräumen der Kampfanlagen auf der Werksoberfläche, ein Teil im Dienst an verschiedenen Stellen der Festung, so dass sich immer zwei Mann ein Bett teilen mussten. Jeder der drei Säle hatte zwei Waschräume.

In dem letzten (fünften) Kasernensaal befanden sich ein Unterkunftsraum für Offiziere, Büroräume und der Gefechtsstand mit einer Telefonzentrale. Im hinteren Abschnitt waren Sozialräume für Offiziere.

Der Festungskommandeur im Jahr 1938 war ein erfahrener Veteran aus dem Ersten Weltkrieg, Major der Infanterie Jan Spale, der von Leutnant Kamenik und Leutnant Jandl unterstützt wurde. Als Artillerie-Beobachter war Leutnant Stach befohlen.

Der Haupthohlgang führt weiter zu den Kampfanlagen. Nach 40 Metern kommt man zu einer Weichenstelle mit einem Werkstattgleis. Hier befand sich ein Lager für Transportgüter und eine Reparaturwerkstatt der Schmalspurbahn. Dieser Bereich war noch vor kurzer Zeit teilweise baufällig. Er wurde aber mittlerweile weitgehend saniert, so dass die Gleisstrecke sich über die ganze Hohlgangslänge wieder im ursprünglichen Zustand befindet. Es folgt ein 200 Meter langer, gerader Abschnitt des Haupthohlgangs.  

Die Bauweise des Untergrunds stellt eine Standardlösung der tschechischen Artilleriewerke dar, wobei die (hier nicht vorhanden) Granatwerfertürme nur zwei Säle besaßen. M2 des Werks K – S 22. Im Gefechtsstand des Geschützturmes befand sich das Büro und Unterkunft  des Kommandeurs, ein Feuerleitbüro, ein Funkraum und eine Telefonzentrale. In den zwei weiteren Sälen befand sich etwas weniger als die Hälfte des gesamten Munitionsvorrats für den Geschützturm, In diesem Fall lagerten in jedem Saal 2 600 Granaten Kaliber 100 mm. Schon vor dem Gefechtsstand sollte der Artillerie-Hohlgang durch zwei gasdichte Türen abgesperrt werden, die eine Luftschleuse bildeten. Es war vorgesehen, dass während einer Kampfhandlung das Werk über eine unabhängige Be- und Entlüftung verfügen sollte, so dass die giftigen Abgase und Schmauch durch den im Artilleriewerk erzeugten Überdruck nach außen und nicht in die Hohlgänge der Festung gelangen sollten. Der Aufzugsschacht mit dem Treppenhaus führt in das Zwischengeschoss des Artilleriewerks. Die Tragfähigkeit des Aufzugs betrug 2 500 kg bei einer Geschwindigkeit von einem Meter in drei Sekunden. Rechts befindet sich der Maschinenraum, der mit dem Aufzugsschacht durch Öffnungen für die Zugseile verbunden ist. Links befindet sich der Gleichrichterraum (alle Antriebssysteme im Turm waren mit Gleichstrommotoren ausgestattet). Der Treppenlauf besteht aus 99 Stufen.

In dem kreisrunden Schacht (Tiefe 11 Meter, Durchmesser 8 Meter) sollte der ausfahrbare Geschütz-Drehturm platziert werden. Im Krisenjahr 1938 befanden sich in den ŠKODA-Werken in Pilsen die ersten zwei Exemplare dieses komplizierten Waffensystems in der Endmontage. Der Turm hatte ein unglaubliches Eigengewicht von insgesamt 420 Tonnen, davon entfielen 120 Tonnen auf vertikal bewegliche Teile, 120 Tonnen auf das ringförmige Gegengewicht auf Umlenkrollen in der Bodennähe des Schachts und 180 Tonnen auf die restlichen Maschinenteile, jedoch hauptsächlich auf den sogenannten Vorpanzer, der in dem obersten freien Ring des betonierten Schachts platziert werden sollte. Die Außenteile des Turms wurden aus hochfestem Panzerstahl hergestellt und konnten schwersten Granaten und Fliegerbomben widerstehen. Der Turm (1 Umdrehung pro Minute, 70 cm Gesamthub in 7 Sekunden) war mit einer Zwillingshaubitze Kaliber 100 mm, Reichweite 11950 Meter ausgerüstet und stellte die wirkungsvollste Hauptwaffe der Werkgruppe dar, welche die Glatzer (Grulicher) Senke beherrschen und die zwei benachbarten Festungen Adamsberg und Berghöhe unterstützen sollte.  Eines der Hauptziele dieses Waffensystems war der strategisch wichtige Bahnhof in Mittelwalde (heute Miedzylesie in Polen). Im Jahr 1938 konnte der Geschützturm nicht mehr eingebaut werden, so dass die Werkgruppe ihren ursprünglichen Kampfauftrag im Bedarfsfall nicht hätte erfüllen können.

Die Räumlichkeiten des Obergeschosses des Werks dienten zur Vorbereitung der Artillerie-Munition und hauptsächlich als Munitions-Bereitschaftslager M3, in dem ca. 800 Granaten Kaliber 100 mm gelagert werden sollten. Darunter befanden sich Unterkünfte der Bereitschaft, Sozialeinrichtungen, Filteranlagen, Unterkunft des Kommandeurs und Lagerräume.  

Ausgleichsschacht. Der Haupthohlgang endet ca. 1 000 Meter hinter dem Eingangswerk. Um die vorgeschriebene Tiefe der Hohlgänge im Felsenmassiv (16 Meter) einzuhalten, mussten die restlichen Hohlgänge 14 Meter tiefer gebaut werden. Aus diesem Grund wurde an dieser Stelle ein Ausgleichsschacht mit 74 Stufen angelegt. Oberhalb dieser Stelle befindet sich ein, in einem schmalen Schacht (Höhe 17 Meter) eingebauter, Notausgang aus der Werkgruppe. Dieser wurde normalerweise mit einigen Tonnen Kies unzugänglich gemacht. Es war vorgesehen, im Bedarfsfall diese, in dem schmalen Schacht des Notausgangs befindliche Menge Kies, mit Hilfe einer Klappe nach unten abzulassen und so der eingeschlossenen Besatzung die Möglichkeit zu geben, die Festung auf diesem Weg zu verlassen. Die Funktionsweise dieser leicht abenteuerlichen Einrichtung ist auf einer Wandtafel dargestellt. Der Ausgleichsschacht stellte in der Vergangenheit eine der gefährlichsten Stellen der Werkgruppe dar. Früher, als die Festung noch nicht ordnungsgemäß gesichert war, fanden hier einige Amateurforscher ihren Tod.

Um die Werke K – S 21 und 23 zu erreichen, müssen wir (bzw. müssten wir - je nach Typ der Führung) die 74 Treppenstufen im Ausgleichsschacht herabsteigen und im Infanterie-Hohlgang weiterlaufen. Das noch nicht zugängliche Infanteriewerk K – S 23 mit 19 Mann Besatzung hatte nur Waffen unter Panzerung. Ein schweres Zwillings-Maschinengewehr war in einer Panzerkuppel, ein leichtes Maschinengewehr als Nahverteidigung war in einer Glocke montiert. Die dritte Glocke war die Hauptbeobachtungsstelle der Werkgruppe Baudenkoppe sowie eine wichtige Informationsquelle für die gesamte Festungsartillerie dieses Abschnitts der Befestigungslinie um die Glatzer-Senke.

Im Rahmen der Komplett-Führung kann man das Infanteriewerk K – S 21 besichtigen. Diese Anlage war mit insgesamt 6 schweren Maschinengewehren Modell 37 in Zwillingsausführung ausgerüstet, zwei davon in Scharten im Kampfraum, die dritte Waffe in einer Panzerkuppel.Weiterhin gab es hier zwei leichte Maschinengewehre Modell 26, eins in einer Hilfsscharte, das andere in einer Panzerglocke. Die Besatzung bestand aus 21 Mann. Das Werk ist mit einem, durch einen Gewehrscharte geschützten, Notausgang ausgestattet, der in den sogenannten Diamantgraben (Schutzgraben) unterhalb der Scharten mündet. In diesem Werk befinden sich auch zwei Munitionslager, ein Filterraum, Unterkunftsräume für Unteroffiziere und Mannschaften, Handgranatenlager, Vorratslager, Gefechtsstand, Telefonverbindung und ein Waschraum mit WC.


Nach dem Anschluss der tschechoslowakischen Grenzgebiete an das Deutsche Reich wurden die Befestigungsanlagen teilweise öffentlich zugänglich gemacht um der deutschen Bevölkerung zu zeigen, welcher Sieg mit diplomatischen Mitteln erreicht werden konnte. Auch Adolf Hitler, der sich mit diesem fragwürdigen Erfolg auf seinem Weg zum späteren Krieg rühmte, besuchte schon im Herbst 1938 diese Gegend. Es ist nicht uninteressant, dass die tschechoslowakischen Festungen das einzige Befestigungssystem in Europa war, das von Adolf Hitler mehrmals besichtigt wurde.

Noch im Oktober 1938 fing die deutsche Wehrmacht an, die technisch-taktischen Geheimnisse dieser erbeuteten Befestigungstechnik in Form von Übungen, Beschussversuchen und Tests von Waffen- und Munitionswirkungen auf verschiedene Betonteile und Panzerelemente der Festungsobjekte zu enthüllen. Da die tschechoslowakischen Festungen auf den Basiskenntnissen der Maginot-Linie konzipiert wurden, konnten die so gewonnenen Erfahrungen ein Jahr später beim Krieg gegen Polen, Frankreich, Belgien und Niederlande, später auch gegen Griechenland, mit großen Erfolg umgesetzt werden.

In den letzten Kriegswochen konnte sich über die Widerstandsfähigkeit der tschechischen Festungen im Raum Ostrau auch die Rote Armee überzeugen, obwohl der Kampfwert der Befestigungen durch die bereits erwähnten Aktivitäten der deutschen Wehrmacht stark dezimiert wurde. Im Frühjahr des Jahres 1945 beschloss die Wehrmacht, diese Linie gegen die vorrückende sowjetische Armee noch  einmal zu aktivieren. Es ist zu beachten, dass das tschechoslowakische Befestigungssystem nach dem waffentechnischen Stand der zweiten Hälfte der 30er Jahre konzipiert wurde. Die Waffenentwicklung wurde durch den langen Krieg enorm beschleunigt. Auch das Niveau der sowjetischen Angriffsmacht war entsprechend gestiegen. Zahlenmäßig war die Sowjetarmee der deutschen Wehrmacht ohnehin hoch überlegen. Trotz dieser günstigeren Ausgangsposition brachen die sowjetischen Frontalangriffe gegen die in den alten tschechischen Festungen ausgebaute deutsche Verteidigungslinie westlich von Mährisch Ostrau immer wieder zusammen. In zwei Angriffswellen (10.03.1945 und 24.03.1945) konnten keine größeren  Fortschritte erzielt werden. Obwohl schon am 17.04.1945 die ersten Sowjetpanzer das Südufer des Flusses Troppau (Opava) erreichten, wurde die Linie der schweren Bunker erst am 27.04.1945 definitiv durchbrochen. Die sowjetische Planungen hatten für diesen Frontabschnitt mit einem erfolgreichen Durchbruch innerhalb einer Woche (!) gerechnet.

Auch die West-Alliierten wurden auf den Invasionsstränden in der Normandie und auf anderen Abschnitten des Atlantikwalls mit den sogenannten Regelbauten, die mit den tschechischen Festungswaffen (hauptsächlich die Kasematten-Panzerabwehrkanone Modell 36, Maschinengewehre) ausgerüstet waren, konfrontiert. Die Strände waren mit den direkt aus der tschechoslowakischen Befestigungslinie ausgebauten Panzerhindernissen gesperrt.

Um diese Darstellung abzurunden, haben wir aus einem Standardwerk der deutschen Wehrmacht, der "Denkschrift über die tschecho-slowakische Landesbefestigung" (OKH Berlin, 1941) zwei nicht zusammen hängende Absätze unkommentiert übernommen:

„Der tschecho-slowakischen Landesbefestigung war es dank der überlegenen deutschen Außenpolitik nicht beschieden, sich kriegerisch zu bewähren. Dennoch sind die operativen und organisatorischen Grundlagen für diese Befestigungen ebenso wie die taktisch-technischen Ausführungen so vielseitig, lehrreich und anregend, daß sich eine eingehende Beschäftigung mit ihr durchaus lohnt.“

„Hätte der Führer der Tschechoslowakei noch einige Zeit gelassen, dann wäre vermutlich eine Landesbefestigung entstanden, deren Überwindung den Angreifer vor ernste Schwierigkeiten gestellt hätte."

Der oben kurz geschilderte Kriegsverlauf westlich von Mährisch Ostrau im Frühjahr 1945 ist auch aus diesem Blickwinkel zu betrachten.  

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